Da ich noch ein paar Tage Urlaub übrig hatte, habe ich mich spontan dazu entschlossen Anfang Oktober noch mal alleine eine Bergsteige-Tour in der Region Garmisch-Partenkirchen und Mittenwald zu unternehmen. Geplant habe ich die Route ausschließlich mit Hilfe des Internets und den Landkarten der Region. In wenigen Tagen war ein grober Etappenverlauf ausgetüftelt, der für unterwegs noch ausreichend Variationsmöglichkeiten ließ, und dann war es auch schon soweit, dass es los gehen konnte. Auf dieser Tour habe ich übrigens zum ersten Mal einen Höhenmesser zum Auswerten der Tagesetappen dabei gehabt.

1. Tag: Garmisch - Eibsee - Riffelriß - Mittelstation Zugspitzbahn - Riffelscharte - Höllentalsteig "Leiter" - Höllentalsteig "Brett" - Höllentalsteig "Leiter" - Schafsteig - Höllentalangerhütte
Stats: 12:20 h (07.15 - 19.35) - +2300/-1600 hm



Nach den üblichen hektischen Vorbereitungen bin ich am 03.10. 2001 früh morgens um 02.00 bei mir daheim gen Süden aufgebrochen. Da ich am 02.10. noch arbeiten mußte, wurde der Aufbruch alles andere als streßfrei und der Schlaf beschränkte sich auf wenige unruhige Stunden, aber mir standen ja 5 Tage Erholung in den Bergen bevor, in denen ich mein Schlafdefizit des Anreisetags ausgleichen könnte. Die Hinfahrt verlief soweit problemlos, so dass ich nach 4 1/2 Stunden in Garmisch war - nachts kein Problem. Die einzig interessante Begebenheit unterwegs war, dass ich mich mit dem Inhalt meines Tanks ein wenig verschätzt hatte, denn meine Reserve leuchtete schon geraume Zeit, und es ließ sich einfach keine Tankstelle blicken in dieser Einöde, durch die ich fuhr ... Oh je, das wäre was geworden, wenn mir der Sprit ausgegangen wäre :-) Auf der Autobahn gab es genug Tankstellen, aber ich hatte geplant etwas günstiger vor Garmisch an der Landstraße zu tanken ... Das Ende vom Lied war dann, dass ich um 05.50 endlich an einer Tankstelle in Reutte stand (da ja Feiertag war, war ich mir gar nicht sicher, welche Tankstellen überhaupt geöffnet haben, doch in Österreich gibt es ja den Feiertag nicht), doch die war geschlossen! Nachdem ich einen Blick auf die Öffnungszeiten geworfen hatte, war ich jedoch beruhigt: Sie sollte um 06.00 öffnen! Also habe ich die Zeit erst mal genutzt zum "Wasser lassen" und um einen kleinen Happen zu Vespern. Richtig idyllisch auf einer geschlossenen Tankstelle früh morgens zu stehen, CDs zu hören, leicht verpennt sein Brötchen zu mümmeln und auf den Tankstellenbesitzer zu warten :-) Letztlich habe ich dann getankt und bin die restlichen knapp 50 km bis Garmisch gefahren, wo ich zunächst 30 Minuten im Kreis gefahren bin um einen geeigneten Parkplatz für 5 Tage zu finden, der auch noch kostenlos ist. Nach erfolgloser Suche war es mir dann irgendwann zu doof und ich entschied mich für ein ruhiges Wohngebiet. Da es noch früh morgens war, schliefen die Anwohner sowieso noch, also habe ich einfach mein Auto abgestellt, mir die Wanderschuhe angezogen, den Rucksack auf den Buckel geladen und bin los marschiert.

Da ich die Route für die Tour noch nicht komplett auf der Karte geplant hatte und somit recht flexibel bei der Wegwahl war, zog ich zunächst los Richtung Hammersbach und Höllental. Theoretisch hätte ich mir gut und gerne 10 km sparen können, in dem ich bei Hammersbach geparkt hätte, doch da ich ja am Ende der Tour auch wieder zurück mußte zu meinem Auto und ich nicht wußte, ob bzw. wann noch ein Bus fahren würde, wenn ich ein paar Tage später nach Garmisch zurück kehren würde, nahm ich dieses "Warmlaufen" halt in Kauf. Im Nachhinein betrachtet war es aber vielleicht gerade dieses Stück, was mich die Zeit gekostet, die mir am Ende des Tages fehlte. Doch dazu später mehr ... Da ich so zeitig auf den Beinen war, hatte ich noch das Glück den Tagesanbruch live mitzuerleben. Wie die Sonne sich Stück für Stück über die Bergrücken schob und es langsam begann ein schöner Tag zu werden, das war schon ein tolles Erlebnis zum Beginn der Tour. Nachdem ich das beschriebene Stück bis Hammersbach zügig am Stück durchmarschiert war, machte ich am Eingang zum Höllental dann erst mal eine kurze Vesperpause - Frühstück war angesagt. Ich hatte ein paar Tage zuvor noch in der Höllentalangerhütte angerufen und meine Übernachtung angekündigt, so dass ich keinen Sinn darin sah, den direkten Weg durchs Höllental zu wählen um dann schon gegen Mittag an der Hütte zu sein. Nein, ich entschied mich für die sehr lange, aber landschaftlich wunderschöne Route ganz außen herum über die Riffelscharte.

Zunächst folgte ich einem unscheinbaren Waldpfad, der direkt neben der Bushaltestelle in den Wald führte und der später in den lohnenswerten Eibsee-Höllental-Höhenweg mündete. Dabei wurde mir gleich richtig warm, so dass ich mich von meiner langen Hose trennte und in kurzer Hose weiter durch den schattigen Wald wanderte. An der Talstation der Zugspitzbahn am Eibsee vorbei ging es ohne Unterbrechung weiter durch den Wald Richtung Seealm, doch die Orientierung war anfangs nicht ganz so leicht. Vermutlich wäre es geschickter gewesen dem Hauptweg vom Parkplatz am Eibsee zu folgen, wenn gleich dieser auch ein gutes Stück länger ist, doch dann hätte ich mir das Spiel "Ein Männlein steht im Walde und sucht den Weg" sparen können :-) Naja, letztlich habe ich den Hauptweg wieder gefunden und bin bei schönen Ausblicken auf den unter mir schimmernden Eibsee an der Seealm vorbei zum Riffelriß gelangt. An der Mittelstation der Seilbahn fing es dann an interessanter zu werden, denn der vor mir liegende Weg offenbarte unmißverständlich, dass es steil hinauf durch ein Kar zur Riffelscharte gehen würde. Dieses Kar hatte es dann auch in sich, denn ich machte bei zwei Schritten vorwärts immer wieder einen rückwärts durch das lose Geröll ...

Ich war dann wirklich froh, als ich diese Passage hinter mir gelassen hatte und setzte mich zum Verschnaufen erst mal an den Wegesrand. Das war doch heftiger als gedacht mit dem schweren Rucksack im Kreuz, der mich den Gesetzen der Schwerkraft unbarmherzig folgend immer wieder Richtung Tal zog ... Was dann auf den letzten gut 200 hm zur Riffelscharte folgte, könnte man als ganz leichten Klettersteig bezeichnen, aber es war wirklich harmlos. Es gab ein paar seilgesicherte Stellen, die jedoch keine wirkliche Herausforderung darstellten. Weniger durch die Anstrengung als viel mehr durch die inzwischen direkt auf mich einwirkende Sonne wurde es plötzlich richtig warm, so dass der Schweiß in Strömen floß, aber kurz darauf war ich dann auch schon oben angekommen. Dort entledigte ich mich gleich mal meines Gepäcks, genoß die Aussicht auf eine markante Erhebung direkt neben mir (es schien sogar ein Weg rauf zu führen, aber diesen konnte ich nicht mehr ausprobieren aufgrund Zeitmangels ...) sowie auch tolle Tiefblicke ins Tal bis zum Eibsee. Bei meiner Mittagsrast kam ich mit einem netten Bergkameraden ins Gespräch, der auch dort oben auf der Wiese lag und sich die Sonne ins Gesicht schienen ließ. Das war richtig nett!

Nun stellte sich für mich die Frage, welchen Weg ich von der Scharte einschlagen sollte. Da ich sehr gerne den Einstieg zum Höllental-Steig Richtung Zugspitze mal "in natura" sehen wollte und mir selbst ein Bild von den zum Teil sehr abenteuerlichen Beschreibungen im Internet machen wollte, entschied ich mich dafür zunächst knapp 600 hm abzusteigen und dann den Klettersteig zur Zugspitze einzuschlagen. Mein Gepäck ließ ich jedoch an der Abzweigung unten liegen - so konnte ich besser über den Klettersteig gelangen. Die erste Schlüsselstelle, die sogenannte "Leiter", machte ihrem Namen alle Ehre - sie war schon imposant anzuschauen, wenn man direkt an ihrem Fuß stand. Doch das konnte mich nicht davon abhalten sie, nachdem mir zwei Kletterer entgegengekommen waren, zu erklimmen. Die beste Technik ist bei solchen Passagen meines Erachtens immer noch ohne Unterbrechung durchzuklettern und so habe ich das dann auch gemacht. Ein paar "Serpentinen-Kraxeleien" weiter oben erspähte ich dann auch schon die nächste Schlüsselstelle, die einfach nur "Brett" heißt. Auf den ersten Blick sah die Stelle doch recht respekteinflößend aus, aber bei genauerem Hinsehen relativierte sich die Kletterei schon wieder ziemlich, da ausreichend Sicherungsmöglichkeiten vorhanden waren.

Bevor ich jedoch über die Eisenstäbe, die in die Steilwand eingelassen sind, den Abgrund überbrücken konnte, kamen mir zwei Engländer entgegen. Sie "hangelten" sich mit ihren Karabinern gesichert Stück für Stück über die Eisenstäbe, wobei sie mir insgesamt jedoch ein wenig verunsichert vorkamen. Als dann beide an der Stelle waren, an der ich gewartet hatte, wußte ich auch, weshalb: Der erste von beiden hatte eine klaffende Wunde an seiner linken Hand, aus der es relativ stark blutete. Wie er mir andeutete, hatte er sich die Hand wenige Meter entfernt an dem Sicherungsseil beim Einhaken seines Karabiners "aufgeschlitzt", da das Drahtseil an etlichen Stellen ausgefranst war ... Wir unterhielten uns auf Englisch über seine Verletzung und den weiteren Wegverlauf für sie ins Tal bzw. für mich weiter rauf. Ich beruhigte sie, dass es nur noch die "Leiter" zu absolvieren gäbe und es dann noch gute 30 Minuten bis zur Höllentalangerhütte seien, wo eine gescheite Versorgung der Wunde möglich wäre. Sie versicherten mir, dass sie den Weg dorthin einschlagen würden und dass es schon noch irgendwie ginge ... Ich wünschte ihnen alles Gute für den restlichen Abstieg und machte mich nun selbst daran das "Brett" zu überqueren. Da ich zu 99% schwindelfrei bin, hatte ich damit keine großen Schwierigkeiten. Solange man sich gut an dem Sicherungsseil festhält bzw. so wie die beiden Bergkameraden sichert, kommt man problemlos durch diese Passage. Nach einer kleinen Verschnaufpause und der gewonnenen Erkenntnis, dass ich irgendwann in den kommenden Jahren bestimmt mal den ganzen Weg bis zum Zugspitzgipfel in Angriff nehmen würde, hieß es nun langsam den Rückweg antreten. Dabei durfte natürlich ein Selbstauslöser-Foto auf dem "Brett" nicht fehlen :-)

Nach wenigen Minuten war ich wieder wohlbehalten an meinem Rucksack und überlegte nun, ob ich den direkten Weg zur Höllentalangerhütte einschlagen sollte oder ob ich nicht noch mal aufgrund des tollen Wetters den Aufstieg Richtung Riffelscharte nehmen sollte, um dann über den Schafsteig bis zu den Waxensteinen und von dort steil ins Tal zur Hütte zu gelangen. An dieser Stelle entschied ich mich für die letztere Variante und marschierte fortan schnellen Schrittes zum Einsteig in den Schafsteig den Weg wieder hinauf, den ich vorhin abgestiegen war. Ich wußte, dass es unter Umständen knapp werden könnte, noch vor Einbruch der Dunkelheit an der Hütte anzukommen, doch ich war zuversichtlich, denn ich hatte die Hütte ja bereits in Sichtweite (wenn auch von etlichen hundert Höhenmeter höher ...). Der schweißtreibende, rasante Aufstieg lohnte sich jedoch auf alle Fälle, denn der Schafsteig hatte recht viel zu bieten: Einen tollen Ausblick zum faszinierenden Jubiläumsgrat, auf die umliegenden Gipfel und, auch sehr schön, bis zur Wettersteinwand. Einziges Handicap war, dass es zunehmend später wurde und sich der Steig ziemlich in die Länge zog. Es war ein ständiges, kräftezehrendes Auf und Ab, bis ich endlich am Abzweig angekommen war, von dem aus ich zur Höllentalangerhütte absteigen konnte. Ich konnte direkt von oben aufs Hüttendach schauen, aber letztlich blieben doch noch knapp 700 hm, die sich gewaltig in die Länge zogen ...

Aufgrund des insgesamt sehr langen Starttages war ich beim Abstieg nicht mehr sonderlich fit. Ich merkte zunehmend, wie die Kräfte schwanden und jeder Schritt mit dem schweren Rucksack mehr Überwindung kostete. Leider war der Abstieg über viel loses Geröll und rutschige Felsen nicht ganz leicht, so dass ich mich bei jedem Schritt konzentrieren mußte, um nicht ungewollt zu stürzen. Zu allem Überfluß fing es nun auch langsam an zu regnen, wodurch der Untergrund nicht gerade besser zu begehen war ... Die fortgeschrittene Dämmerung tat ihr übriges dazu, so daß dieser Abstieg besonders auf den letzten Metern hart an der Grenze war für mich. Doch ich schaffte es! Ziemlich am Ende und kaum noch in der Lage, einen Fuß vor den anderen zu setzen, kam ich leicht durchnäßt an der Höllentalangerhütte an, bei der ich bei Einbruch der Dämmerung 45 Minuten zuvor sicherheitshalber noch per Handy angerufen hatte um zu bestätigen, dass ich auf dem Weg sei und es etwas später werden würde. Diesen Abstieg werde ich wohl nicht so schnell vergessen! Beim Abendessen war ich nach einem Bier und einem Radler sowie einem Teller Nudeln dann kurz davor einzuschlummern, so fertig war ich, aber ich habe mich doch noch in den Waschraum begeben und eine eiskalte (dafür kostenlose) Dusche genommen. Danach ging es auf direktem Weg in mein Mehrbettzimmer, wo ich mit insgesamt vier anderen Bergkameraden untergebracht war. Ich bin dann auch tatsächlich prompt eingeschlafen :-)

Tagesanbruch bei Garmisch Eibsee von oben
Rutschiger Aufstieg am Riffelriß

Riffelscharte
Die "Leiter" des Höllentalsteigs
Das "Brett" des Höllentalsteigs

Balancieren über das "Brett" des Höllentalsteigs Blick zum Jubiläumsgrat Blick von oberhalb des Höllentals

Schafsteig Blick Richtung Wettersteinwand


2. Tag: Höllentalangerhütte - Rinderweg - Alpspitz Ferrata - Oberkarweg - Nordwandsteig - Gipfelstation Hochalmbahn - Hupfleitenjoch - Kreuzeck-Haus
Stats: 10:10 h (08.35 - 18.45) - +1550/-1300 hm



Die Nacht war entgegen meiner Hoffnung nur bedingt erholsam, denn ich war mehrfach wach aufgrund von Unwettern, die über die Hütte zogen und mich dann vom Schlaf abhielten. Der Regen vom Vorabend hatte sich leider verstärkt ... Gegen 07.00 entschied ich mich dann fürs Aufstehen und kurze Zeit darauf saß ich auch schon beim Frühstück und schlürfte einen heißen Kakao. Das sollte zum Start in den Tag genügen. Nicht nur ich, sondern auch noch ein paar andere Bergkameraden beratschlagten beim Frühstück dann zusammen mit den Hüttenwirten, was bei diesem Wetter überhaupt für Touren drin wären. Ich hatte noch keinen konkreten Plan gefaßt am Vortag und entschied mich zunächst in Richtung Rinderscharte zu gehen und dann zu schauen, was das Wetter macht. Irgendwas würde sich schon ergeben. Nachdem ich dann noch 2 Liter heißes Wasser gekauft hatte (kaltes Trinkwasser hatten sie nicht ...) und dieses in meine beiden Plastik-Trinkflaschen gefüllt hatte, konnte es dann auch schon los gehen. Bei dem unangenehmen Wetter war es zwar prinzipiell okay, was Warmes zu trinken dabei zu haben, aber meine Flaschen verformten sich schon nach wenigen Minuten, so daß ich Angst haben mußte, dass sie aufgrund des heißen Wassers kaputt gehen ... Beim Aufbruch schon zeichnete sich ab, dass zwei andere Bergkameraden sich für eine ähnliche Variante entschieden hatten wie ich. So marschierten wir also zu dritt Richtung Rinderscharte. Unterwegs diskutierten wir schon fleißig die weiteren Wegmöglichkeiten und wir beschlossen, bei entsprechender Wetterbesserung den Aufstieg auf die Alpspitze in Betracht zu ziehen.

Der Weg bis zur Rinderscharte war bestens zu gehen, doch das Wetter wollte nicht viel besser werden. Unter den Regensachen schwitzte ich durch den Aufstieg ziemlich, aber auf der anderen Seite war mir bitterkalt, da es nur ein paar Grad über Null waren und Regen und eisiger Wind mich schnell auskühlen ließen. An der Rinderscharte trennten sich dann zunächst unsere Wege. Ich entschied mich trotz der Kälte zu einer kleinen Rast, ein bißchen windgeschützt zwischen ein paar Felsen. Die beiden anderen zogen weiter Richtung Hochalmbahn, um dort ins Restaurant einzukehren und eine Kleinigkeit zu essen. Aber wir sollten uns später noch mal wiedersehen ... Wir verblieben zunächst so, dass wir uns am Abend wohl am Kreuzeck-Haus wiedertreffen würden. Ich machte mich nach meiner Rast und dem Anziehen eines weiteren T-Shirts gegen die Kälte auf den Weg Richtung Nordwandsteig. Ich hatte einfach die Hoffnung, dass das Wetter schon noch besser werden würde mit der Zeit, so dass ich den Aufstieg zur Alpspitze wagen könnte. Nach kurzer Zeit stand ich auch schon am Abzweig zum Alpspitz Ferrata.

Ich entschied mich dafür, meinen Rucksack weitestgehend regengeschützt an ein paar Felsen zu deponieren, den Fotoapparat und ein paar Corny einzupacken und dann den Klettersteig zu begehen. Alleine schon die Leiter zu Beginn machte Lust auf mehr! Das war schon mal nicht schlecht. Ein paar Minuten später erblickte ich mitten im Fels einen Pfosten, der nur wenige Meter von mir entfernt war. Wie sich bei näherer Betrachtung zeigte, handelte es sich um ein "Gipfelbuch" für alle Leute, die den Ferrata absolvieren. Natürlich trug ich mich dort ein und stellte fest, dass ich der erste an diesem Tag war. Das deutete darauf hin, dass ich auch oben am Alpspitzgipfel der erste sein würde für diesen Tag :-) Nachdem ich mir noch schnell ein Corny einverleibt hatte, ging es auch schon weiter Richtung Gipfel. Das Gemisch aus Wolken und Nebel war inzwischen schon etwas harmloser geworden und auch der Regen schien langsam nachzulassen. So marschierte ich um so "beschwingter" weiter. Es dauerte nicht lange und ich erblickte eine weitere "Eisen-Passage" vor mir. Einfach toll! Das machte nun richtig Spaß!

Ganz alleine war ich übrigens doch nicht, denn zahlreiche neugierige Bergdohlen flatterten um mich herum und schrien um die Wette, während sie scheinbar schwerelos über meinem Kopf ihre Runden flogen. Ich hielt ein paar Minuten inne, setzte mich einfach auf die blanken Felsen am Rande des Klettersteigs, beobachtete die Bergdohlen und genoß die Atmosphäre. Einfach schön - nicht zuletzt durch die Tatsache, dass sich ein paar Wolkenlöcher auftaten, die einem sowohl etwas blauen Himmel als auch tolle Tiefblicke bis nach Garmisch offenbarten. Als ich mit der Zeit langsam einen kalten Hintern bekam, zog es mich dann doch weiter und ich folgte den weiteren Markierungen Richtung Gipfel, der inzwischen schon zum Greifen nahe war. Direkt unterhalb des Gipfels gab es noch mal eine kleinere Kraxelpassage, die jedoch so wie der ganze Steig zuvor auch bestens gesichert war. Zum Teil lag der Schnee zwar noch so hoch, dass manche Tritte in den Felsen von den weißen Massen zugeschüttet waren, aber ich glaube der Aufstieg wurde dadurch eher leichter. So schaffte ich auch die letzten paar Meter recht problemlos und stand kurz darauf mehr als glücklich am Gipfelkreuz der Alpspitze. Ich hatte es wirklich geschafft! Der obligatorische Eintag ins Gipfelbuch durfte selbstverständlich nicht fehlen und wie ich es schon zwischenzeitlich vermutet hatte, war ich tatsächlich der erste Mensch an diesem Tag "ganz oben". Ein schönes Gefühl! Die ganze Atmosphäre am Gipfel war irgendwie faszinierend, so dass ich mich gute 30 Minuten dort oben aufhielt und es einfach nur genoß dort zu sein. Einfach da sitzen, den Blick umher schweifen lassen und sich an der wunderschönen Bergwelt erfreuen. Nach einem letzten Foto vom Gipfelplateau hieß es aber dann doch langsam Abschied nehmen, denn ich hatte noch einen langen Weg bis zur Hütte vor mir.

Mein geplanter Abstieg war der Weg durchs Oberkar und danach der Nordwandsteig bis an die Hochalmbahn. Zunächst stellte sich jedoch die Frage, wo genau der Abstieg verlief, denn dummerweise hing ich jetzt wieder mitten in den Wolken, so dass die Sichtweite nicht sonderlich hoch war ... Also mußte ich noch mal die Karte konsultieren - schließlich wollte ich keinesfalls den Abzweig zur Grießkarscharte erwischen. Nach diesem kurzen Orientierungsstopp und einem letzten Blick zurück zum Gipfelkreuz, das schon wieder teilweise wolkenfrei war, machte ich mich also vorsichtig an den Abstieg. Welch verrücktes Wetter! Die Nebel- bzw. Wolkenwand zog sich insgesamt über knapp 200 hm, doch mit regelmäßigem Halt zur Markierungssuche bzw. Altspurensuche im Schnee habe ich es ohne ernsthafte Probleme geschafft. Kaum, dass ich wieder etwas bessere Sicht hatte, sah ich dann übrigens auch die beiden Bergkameraden vom Vormittag wieder, die ein paar hundert Meter weiter unten rumkraxelten. Nachdem sie mich auch gesehen hatten, winkten wir uns kurz zu und trafen uns dann auf etwa halbem Weg um jeweils zu berichten was man seit Vormittag alles erlebt hatte. Welch freudige Überraschung in dieser seit Stunden menschenleeren Gegend. Wie sich herausstellte, waren die noch entschlossen den Aufstieg zur Alpspitze zu machen! Es war inzwischen gegen 15.00 und nach meiner Schätzung konnten sie es bis 16.00 zum Gipfel schaffen. Sie wußten sehr wohl, dass es knapp werden könnte vor der Dunkelheit am Kreuzeck-Haus anzukommen, aber nachdem sie schon den langen Weg bis ins Oberkar absolviert hatten, wollten sie auch noch den Gipfel erreichen. Außerdem meinten sie, dass sie für den Notfall auch noch Taschenlampen dabei hätten. Ich wünschte ihnen alles Gute für den restlichen Aufstieg und sie mir einen guten Abstieg und wir hielten noch mal fest, dass wir uns später am Kreuzeck-Haus treffen würden. Ich war schon zu dem Augenblick gespannt, wann sie dort eintreffen würden ...

Der weitere Weg durchs Oberkar war verhältnismäßig einfach, wenn auch stellenweise etwas rutschig. Ich beeilte mich, dass ich bald am Nordwandsteig ankam, denn ich wußte ja nicht, wie lange der Abstieg über den Steig dauern würde. Ich hatte ja schon am Vortag meine Erfahrung gesammelt was es bedeutet zu später Stunde und immer müder werdend durch die Gegend zu ziehen, so dass mein Bedarf in dieser Richtung erst mal gedeckt war :-) Der Steig entpuppte sich schließlich als gut begehbar und nicht sonderlich anspruchsvoll, wobei er landschaftlich richtig reizvoll war. Ein wirklich toller Abstieg! Richtig guter Laune marschierte ich den Steig entlang, bis ich wieder an die Abzweigung kam, an der ich meinen Rucksack deponiert hatte. Dort ließ ich mich zunächst nieder, um eine Kleinigkeit zu essen und trinken. Während ich einfach nur da saß und vor mich hin sinnierte, kamen ein Mann und eine Frau den Weg entlang und hielten bei mir an, um mich nach dem Weg zu fragen. Wir kamen ins Gespräch und plauderten gut und gerne eine Viertelstunde über alles Mögliche, bis sie dann Richtung Nordwandsteig aufbrachen. Es war zwar schon zu spät für sie, um den Steig komplett zu absolvieren, aber sie wollten ihn sich einfach schon mal ein wenig näher ansehen, da sie mit dem Gedanken spielten am Folgetag den Aufstieg bis zur Alpspitze auf diesem Weg zu machen. Kurz, nachdem sie weitergezogen waren, packte ich dann auch langsam meine Sachen zusammen und marschierte Richtung Hochalmbahn.

Da sich das Wetter nun richtig positiv entwickelt hatte, beschloß ich die schönen Stunden des Spätnachmittags noch ein wenig zu nutzen und einen letzten kleinen Abstecher über das Hupfleitenjoch und den Schwarzen-Kopf zu machen. Das Kreuzeck-Haus hatte ich schon in der Ferne ausfindig gemacht und es sollte auch fast nur noch bergab gehen, so dass nichts dagegen sprach noch diesen kleinen Umweg zu machen. Und ich muß sagen, dass es sich wirklich gelohnt hat! Die Atmosphäre auf diesen letzten paar Kilometern zum Kreuzeck-Haus war einfach nur toll! Welch Kontrast zu dem Unwetter über Nacht und am frühen Morgen. Nachdem ich auf halben Weg noch die Aussicht auf die vorbeischwebende Seilbahn genossen hatte, war ich auch schon einem netten Bergpfad folgend am Schwarzen-Kopf angekommen, der ebenfalls schöne Ausblicke bereit hielt. Ein idealer Rastplatz, um noch mal ein Corny zu futtern und einen Schluck zu trinken. Nach einem erfolgreichen Selbstauslöserfoto mit der Aussicht ins Tal und mir marschierte ich schließlich auf direktem Weg zum Kreuzeck-Haus, wobei ich noch die Gelegenheit nutzte und per Handy daheim anrief, um zu berichten, dass es mir gut geht. Gegen 18:45 war ich dann am Kreuzeck-Haus angekommen. Und wer stand da draußen auf der Terrasse und genoß die Aussicht? Es war der Mann, mit dem ich beim Einsammeln meines Rucksacks geplaudert hatte. Er erzählte mir, dass er und seine Freundin auch die Nacht im Kreuzeck-Haus zubringen würden und den direkten Weg von der Hochalmbahn genommen hatten. Das war ja eine freudige Überraschung.

Ich bezog daraufhin direkt mein Matratzenlager und dann ging's auch schon zum Abendessen. Nach dem langen Tag hatte ich verständlicherweise einen ordentlichen Appetit. Der Essenssaal war richtig gut gefüllt, so dass ich auf den ersten Blick keinen freien Platz fand, aber der nette Mann und seine Freundin signalisierten mir, dass sie an ihrem großen Tisch noch etwas zusammenrücken könnten, so dass ich mich dazu gesellen könne. Glück gehabt! Ich bestellte mir dann erst mal ein Radlermaß und zusätzlich ein Maß Skiwasser, wodurch mein Durst einigermaßen gestillt war. Zum Essen gab's dann eine ordentliche Portion Spaghetti. Es wurde ein richtig netter Abend, denn auch mit den anderen Leuten am Tisch verstand ich mich gut und man tauschte allerlei Erfahrungen und Erlebnisse vom Bergsteigen aus. Von daher war es also gar kein Problem, dass ich alleine unterwegs war. Während wir uns also bestens unterhielten, bemerkte ich, als ich meinen Blick zur Tür des Speisesaals schweifen ließ, dass dort gerade zwei Leute "hereinkrochen", die mir nicht fremd waren. Genau, es waren die beiden Bergkameraden von der Alpspitze!

Sie sahen mehr als fertig aus und ließen sich an einem in der Zwischenzeit frei gewordenen Tisch nieder, an dem sie auf etwas zu essen warteten. Da es schon gegen 20:30 war und die Küche offiziell schon geschlossen war, hatten sie zwar nicht mehr die gesamte Karte zur Auswahl, aber für einen riesigen Teller Nudeln und ein paar Bier langte es noch. Als ich mich dann gegen 21:00 Richtung Bett bzw. Duschen auf den Weg machte, ging ich natürlich noch mal zu ihrem Tisch und plauderte ein paar Minuten mit ihnen. Wie sich herausstellte, hatten sie den Aufstieg zur Alpspitze erfolgreich geschafft und auch den Abstieg richtig erwischt, jedoch hatten sie den Abzweig zum Nordwandsteig und zurück zur Hochalmbahn (da waren sie ja ursprünglich hergekommen) verpaßt und waren dann in der Nähe des Stuibensees herumgeirrt ... Dadurch waren sie natürlich richtig in die Dunkelheit geraten und hatten noch mehr Kraft gelassen als gewollt. Doch mit den Taschenlampen und ihrer Karte hatten sie dann letztlich doch den richtigen Weg wiedergefunden. Ich würde sagen: Eine Story aus der Kategorie "Noch mal gutgegangen". Nach einer erfrischenden Dusche und Aufhängen meiner Klamotten zum Trocknen und Lüften im Trockenraum bezog ich dann direkt Quartier in meinem Massenlager. Da der Tag mir ja auch wieder recht viel abverlangt hatte, schlief ich auch recht bald ein ...


Einstieg des Alpspitz Ferrata Unterwegs auf dem Alpspitz Ferrata
Gipfelkreuz der Alpspitze

Schnee an der Alpspitze Alpspitz-Panorama
Abstieg Alpspitze

Seilbahn beim Osterfelder Kopf
Nähe Hupfleitenjoch Über den Wolken


3. Tag:
Teil 1
Kreuzeck-Haus - Tröglhütte - Garmischer Haus - Partnachalm - Partnachklamm - Garmisch
Stats: 3:15 h (08.30 - 11.45) - +60/-980 hm



Die Nacht habe ich relativ erholsam verbracht, wenngleich ich auch wieder mehrfach wach war. Gegen 7.00 stand ich dann auf und riskierte einen ersten verschlafenen Blick nach draußen. Und schon jetzt war zu erkennen, dass es ein richtig schöner Tag werden sollte! Nach einem Gang in den Waschraum machte ich mich auf den Weg zum Frühstück, aber bevor es etwas zu essen gab, ging ich noch vor die Hütte und genoß die morgendliche Atmosphäre. Einfach super! Die Sicht war richtig gut, so dass ich so früh am Morgen die Chance hatte die in die ersten Sonnenstrahlen getauchte Alpspitze in ihrer ganzen Pracht zu bestaunen. Dort oben war ich also am Vortag gewesen ... Ich verharrte einige Minuten vor der Hütte, dann zog es mich wieder rein und ich frühstückte recht lecker. Als ich wieder zurück im Schlafraum war, traf ich dort auch das Paar vom Vortag. Sie berichteten, dass sie heute tatsächlich den Aufstieg zur Alpspitze in Angriff nehmen wollten. Dazu wünschte ich viel Spaß und Erfolg, und sie wünschten mir ihrerseits alles Gute für meinen weiteren Weg. Die beiden Bergkameraden, die am Vorabend erst so spät in der Hütte angekommen waren, standen erst gemütlich auf, als ich kurz davor war, aufzubrechen. Natürlich unterhielt ich mich auch mit ihnen noch ein paar Minuten, wodurch es noch etwas später wurde, bis ich endlich los kam, aber soviel Zeit mußte schon sein. Sie waren beide noch recht fertig von der anstrengenden Wanderung zur Alpspitze und zurück, so dass sie es nun etwas ruhiger angehen lassen wollten :-). Irgendwie nachvollziehbar ... Schließlich verabschiedete ich mich von den beiden und zog dann gegen 08.30 Richtung Garmisch los.

Der direkte Weg ins Tal erschien mir jedoch nicht sonderlich lohnenswert, so dass ich den Abstecher zur Partnachklamm noch einbaute. Der Wegverlauf bis dorthin war im Gegensatz zu den Wegen der Vortagen richtig soft. Breite Wanderwege mit moderatem Gefälle, die auch noch bestens ausgeschildert waren. Mal was anderes :-) Schnell war die Tröglhütte erreicht und auch das Garmischer Haus sowie das Bayernhaus ließ ich bald ohne Zwischenstopp am Wegesrand liegen. Der interessante Teil des Tages sollte ja noch folgen, wenn ich am Nachmittag in Mittenwald losziehen würde um unterhalb der Karwendelwand bis zur Mittenwalder Hütte, meinem Etappenziel, zu gelangen. Recht zügigen Schrittes gelangte ich kurz darauf schon zur Partnachalm, an der der Absteig zur Partnachklamm begann: Ein sehr schöner Weg durch den herbstlich gefärbten Wald, der sich in Serpentinen bis runter zur Klamm schlängelte. Die Klamm selbst war durchaus sehenswert, doch, das kann ich gar nicht anders sagen. Ein beeindruckendes Naturschauspiel, wie die spritzenden Wassermassen durch diese enge Schlucht durchschossen. Mit leicht nassen Füßen, feuchten Haaren und ein paar Schnappschüssen der Klamm im Gepäck war ich nach etwa 30 Minuten durch diese Passage durch. Dort nahm ich aber schnell meine Beine in die Hand, denn es herrschte ein mehr als reges Treiben und Massen von Touristen wurden mit Bussen "herangekarrt" bzw. kamen mit dem eigenen PKW, um die Klamm zu besichtigen. Furchtbar, nach all der Ruhe der vergangenen Tage "weiter oben" ...

Die restlichen Kilometer bis nach Garmisch absolvierte ich strammen Schrittes, doch erst ab dem Olympiastadion wurde es wieder weniger übervölkert. Nun hatte mich also die Stadt wieder ... Mein Auto fand ich nach kurzem Suchen tatsächlich wieder und es stand auch noch genauso da, wie ich es drei Tage zuvor abgestellt hatte. Lediglich ein hübscher, großer Laubhaufen hatte sich darauf angesammelt. Herbst eben :-) Da ich bei der Anreise an der Hauptstraße wenige Meter weiter einen Supermarkt gesehen hatte, deponierte ich zunächst meinen Rucksack im Auto und kaufte mir dann noch 3 Liter Wasser, die ich als Trinkwasser für die kommenden Tage im Rucksack mitschleppen wollte. Recht durstig nach dem zügigen Abstieg vom Kreuzeck-Haus und aufgrund keiner richtigen Pause genehmigte ich mir noch ein paar Minuten Siesta am Auto, um das kühle Wasser zu genießen, ein wenig Musik zu hören und ein paar Stücke Schokolade zu mümmeln. Kurz nach 12.00 brach ich schließlich Richtung Mittenwald auf, um von dort den Aufstieg ins Karwendelgebirge zu beginnen.

Tagesanbruch am Kreuzeck Alpspitze am Morgen
Rauschende Partnachklamm

3. Tag:
Teil 2
Mittenwald - Mittenwalder Hütte - Lindlähnekopf - Mittenwalder Hütte
Stats: 5:15 h (12.50 - 18.05) - +920/-360 hm



In Mittenwald steuerte ich zielstrebig den ersten Parkplatz am Ortseingang an, auf dem zum Glück noch eine Lücke frei war. Ohne weiter Zeit zu verlieren machte ich mich dann auch schon auf den direkten Weg zur Mittenwalder Hütte, die bereits wenige Meter nach Unterschreiten der B2 ausgeschildert war. Der Aufstieg zur Hütte verlief weitestgehend auf einem schattigen Waldpfad, auf dem mir zahlreiche Wanderer entgegen kamen. Nach oben wollte scheinbar keiner ... Mit einer kurzen Trink- und Verschnaufpause war ich nach knapp 80 Minuten an der Hütte. Uff, das war schon mal geschafft. Ich ging direkt nach drinnen und fragte nach einer Übernachtungsmöglichkeit, aber wie ich schon vermutet hatte, war bisher noch fast alles frei. Wunderbar. Ich vereinbarte mit dem Hüttenwirt, dass ich meinen Rucksack im Essensraum stehen lassen würde, da ich für den Nachmittag noch einen kleinen Abstecher zum nahegelegenen Lindlähnekopf geplant hatte. Er hatte nichts dagegen, wünschte mir viel Spaß und wenige Minuten später war ich dann auch schon mit einem kleinen Rucksack auf dem Rücken (den ich genau für solche Kurztrips im großen Rucksack dabei hatte) unterwegs. Der Weg, der stetig am Steilhang entlang führte, war zu Beginn noch relativ gut begehbar, doch es ließ sich schon erahnen, dass es noch etwas anspruchsvoller werden könnte. Das erste Highlight war auf jeden Fall ein kleines "Holzplateau", auf dem ich es mir gemütlich machte. Wie auch schon die paar Meter zuvor hatte man von dort eine sagenhafte Aussicht ins Tal. Mittenwald lag mir direkt zu Füßen :-)

Eine größere Pause wollte ich mir jedoch erst am Gipfel genehmigen, so dass ich trotz der herrlichen Aussicht weiterzog, nachdem ich mal wieder ein Corny gemümmelt hatte. Der weitere Weg bis zum Gipfel wurde nun tatsächlich etwas schwieriger zu begehen. An vielen Stellen fehlte meines Erachtens eine Sicherung, an anderen Stellen waren hingegen Drahtseile zum Festhalten angebracht, wo ich sie nur selten benötigte ... Solange man sich jedoch vorsichtig verhielt und darauf achtete, dass man nicht auf lose Steine trat und sich in den kritischen Passagen immer soweit es ging Richtung Hang lehnte, schaffte man es ganz gut. Auf diesem Teilstück bis zum Lindlähnekopf traf ich nur ganz wenige Leute, was mich sehr wunderte, denn es war schönstes Wetter. Vermutlich waren aber viele einfach weiter oben unterwegs, auf dem Mittenwalder Höhenweg, der für mich für den Folgetag anvisiert war. Nach Durchqueren einer kleinen Rinne hieß es noch mal Kräfte sammeln, da die letzten paar hundert Meter zum Gipfel relativ steil waren und über rutschige Serpentinen sowie über eine am Hang liegende Holzleiter führten. Auch dort hieß es sich vorsichtig fortbewegen, um nicht unfreiwillig den Hang herunter zu rutschen bzw. zu stürzen. Zum Lindlähnekopf selbst mußte ich daraufhin noch einem kleinen Trampelpfad durch dicht gewachsene Kiefern folgen, doch dann war ich endlich da und konnte das ersehnte Gipfelfoto schießen. Und nun gab es auch die längst überfällige Pause.

Insgesamt verbrachte ich knapp den halben Nachmittag dort oben. Die Aussicht war super, ich war ungestört und hatte die Möglichkeit in aller Ruhe die Natur zu genießen. Ideal, um mal wieder den Kopf frei zu bekommen. So saß ich recht lange einfach nur da, inzwischen im T-Shirt, da es recht warm geworden war, und döste vor mich hin. Nach etwas Trinken und einem schmackhaften Apfel schickte ich noch ein paar SMS-Urlaubsgrüße an die Family und die Freunde daheim, bevor ich mich ganz langsam an den Rückweg machte. Beim Schlendern durch die Kiefern hatte ich eine wunderbare Aussicht auf die vor mir liegende Felswand mit dem Gerberkreuz. Ich suchte intensiv mit den Augen, ob es einen offensichtlichen Weg von meiner Position nach ganz oben gab, doch die Pfadspuren, die ich entdeckte, schienen im Nichts zu verlaufen ... Naja, außerdem wollte ich eigentlich auch keine weiteren Gipfel mehr stürmen, sondern zurück zur Hütte, denn es war schon später Nachmittag. Der Rückweg gestaltete sich besonders im oberen Teil erneut nicht ganz ohne, denn gerade die Holzleiter und die rutschigen Serpentinen bedurften einer sehr behutsamen Gangart. Als ich die kleine Kraxelpassage durch die Rinne hinter mich gebracht hatte, so dass ich wieder etwas weiter oben war, schaute ich noch mal zurück auf das Stück, das ich eben gerade absolviert hatte. Da war ich eben also runtergekommen ... Nach diesem Fotostopp folgte ich dann dem bekannten Bergpfad am "Holzplateau" vorbei zurück zur Mittenwalder Hütte.

Dort angekommen schleppte ich meinen großen Rucksack in den mir nun zugewiesenen Schlafraum, machte mich ein wenig frisch und ging dann direkt zum Abendessen wieder eine Etage tiefer. Inzwischen war nur noch ein Gast da, zu dem ich mich an den Tisch gesellte. Als ich noch auf meine Schinkennudeln wartete, kamen wir ein bißchen ins Gespräch. Er, Wolfgang, kam aus Freising bei München, und war auch alleine unterwegs. Er wollte am Tag darauf eine Freundin treffen, mit der er zusammen eine Wandertour machen wollte. Da er sich jedoch nicht sicher war, wie fit sie sein würde, war es noch nicht ganz raus, wo es sie hinverschlagen würde, doch als grobes Ziel nannte er mir die Brunnsteinhütte. Diese hatte ich für mich ja auch ins Auge gefaßt, so dass ich ihm gleich mitteilte, dass man sich dort dann vermutlich erneut treffen würde. Die Hüttenwirte, zwei sehr nette Leute, gesellten sich auch noch zeitweilig dazu, und so unterhielten wir uns recht angeregt über alles Mögliche, während ich meine inzwischen servierten Schinkennudeln hungrig in mich "reinstopfte" und wir beide ein Radlermaß tranken. Wir hatten schon Dämmerstimmung im Eßraum d.h. gedimmtes Licht und zusätzlich ein paar Kerzen, als es gegen 19.30 plötzlich an der Tür klopfte. Wer könnte das noch so spät sein?!?

Als die Tür aufging, mußten wir uns alle ein lautes Lachen verkneifen, denn die beiden Mädels, die gerade herein kamen, fragten vorsichtig an, "ob denn noch ein Bett frei wäre". Tja, da Wolfgang und ich ja die einzige Gäste waren, war diese Situation einfach zu komisch :-) Die Hüttenwirte ließen es sich auch nicht nehmen zu grinsen, doch wir beruhigten sie natürlich und sagten ihnen, dass noch ausreichend Betten frei wären. Die beiden verschwanden dann kurz nach oben zu den Schlafräumen und gesellten sich wenig später zu uns an den Tisch. Sie bestellten sich jeweils etwas zu Essen und einen Wein dazu, so dass einem gemütlichen Abend nichts mehr im Wege stand. Wolfgang und ich bestellten uns noch Radler und die Hüttenwirte setzten sich später auch noch an unserem Tisch, nachdem die Arbeiten in der Küche abgeschlossen waren. Wir plauderten recht bald schon munter darauf los und sie erzählten, dass sie erst spät in Mittenwald aufbrechen konnten aufgrund ihrer Anreise von Stuttgart bzw. München und dass sie mehr oder minder auf gut Glück noch zur Hütte aufgestiegen waren ... Als wir ihnen dann erzählten, warum wir vorher so gelacht bzw. geschmunzelt hatten, als sie hereingekommen waren, lachten sie auch herzhaft mit. Ihre fragenden, ja hoffenden Gesichter beim Betreten der Hütte waren in der Situation aber auch einfach zu amüsant gewesen :-) Es stellte sich heraus, dass Moni und Dagmar (so hießen die beiden) am nächsten Tag ein sehr ähnliches Programm geplant hatten wie ich. Sie wollten den Aufstieg über den Karwendelsteig zur Bergstation der Karwendel-Seilbahn machen, wo sie sich mit zwei Freundinnen treffen wollten, um dann kollektiv den Mittenwalder Höhenweg in Angriff zu nehmen. Spontan beschlossen wir, dass wir ja die Etappe gemeinsam laufen könnten.

Und unter Umständen würden wir Fünf am Abend ja auch Wolfgang wieder treffen, der zunächst zur Talstation mußte um dort seine Freundin zu treffen. Als ich zwischenzeitlich noch mal auf die Toilette mußte (sie war hinter dem Haus), war ich richtig überrascht, wie klar die Nacht inzwischen geworden war. Ich hatte daheim in einem Wanderbuch von meiner Oma, das auf das Jahr genau so alt wie ich war, gelesen, dass man sich bei klarer Nacht keinesfalls den Blick von der Mittenwalder Hütte ins Tal entgehen lassen sollte. Das tat ich nun, und ich muß sagen, dass die Aussicht wirklich atemberaubend war! So etwas hatte ich noch nie gesehen. "Unvergeßlich, wer einmal in der Alpenvereinshütte übernachtete und bei Dunkelheit die Lichter von Mittenwald gesehen hat." So stand's schon damals geschrieben und so ist es vermutlich wirklich! Einfach schön. Zurück in der Hütte haben wir noch ein bißchen "über Gott und die Welt" geschwatzt, bis wir dann schließlich alle in Richtung unserer Betten verschwunden sind. Ich hatte mit den beiden Mädels ein nettes 6er-Zimmer, während Wolfgang, da er schon früher an der Hütte war, in ein anderes Zimmer einquartiert worden war. Am nächsten Morgen sollte es schon früh raus gehen, denn Moni und Dagmar wollten ihre beiden Freundinnen an der Gipfelstation treffen, wenn die erste Bahn oben ankam (gegen 8.15). Es wurde noch kollektiv im Bad Zähne geputzt, ich stellte mir noch den Wecker entsprechend zeitig, und kurze Zeit später schlummerten wir auch schon alle tief und fest.

Hoch über Mittenwald Am Lindlähnekopf

Blick zum Gerberkreuz
Abstieg Lindlähnekopf


4. Tag: Mittenwalder Hütte - Karwendelsteig - Gipfelstation Karwendelbahn - Mittenwalder Höhenweg - Tiroler Hütte - Brunnensteinsteig - Brunnsteinhütte
Stats: 9:20 h (07.50 - 17.10) - +1290/-1250 hm



Am Morgen waren wir zunächst alle etwas träge. Erst langsam bemühten wir uns aus dem Schlafraum zur Morgentoilette und dann zum Frühstück. Vielleicht hätten wir doch etwas früher ins Bett gehen sollen am Vorabend ... Naja, wie auch immer, unabhängig vom Wetter, das zunächst noch gar nicht sonderlich schön zu werden schien, verflogen bei mir jegliche Anflüge von Müdigkeit, denn ich freute mich schon beim Frühstücken auf den Mittenwalder Höhenweg! Nachdem wir dann alle unser Zeug zusammengepackt hatten, verabschiedeten wir uns noch von den Hüttenwirten und dann trennten sich unser Wege. Wolfgang blieb noch ein paar Minuten länger auf der Hütte, um dann später ins Tal loszuziehen und dort seine Freundin zu treffen, während wir uns direkt an den Aufstieg zur Bergstation machten. Ganz so zeitig wie geplant hatten wir es zwar nicht geschafft aufzubrechen, aber es war zumindest noch sehr schattig am Karwendelsteig. Von unterwegs wurden die beiden Freundinnen, die bereits am Gipfel angekommen waren, per Handy kontaktiert, dass wir ein paar Minuten länger benötigen würden, und so marschierten wir recht zügig mit ein paar kurzen Pausen bis ans Ende des Karwendelsteigs. Hier gab es noch ein paar kleinere Schneefelder zu queren (mehr oder minder auf allen Vieren ...), aber dann waren wir auch schon an der Bergstation angekommen, wo uns ein eisiger Wind entgegen pfiff. Schnell flüchteten wir uns ins Restaurant, wo wir Gerti und Angelika trafen. Nachdem ich mich den beiden vorgestellt hatte, saßen wir noch ein paar Minuten im Warmen, bevor wir uns alle langsam nach draußen begaben.

Da das Wetter immer noch nicht sonderlich freundlich war, fiel der kleine Abstecher zur Westlichen Karwendelspitze aus, und wir zogen direkt los um den Mittenwalder Höhenweg zu absolvieren. Bevor es richtig zur Sache ging, schaute ich noch mal etwas sehnsüchtig hinüber zur Westlichen Karwendelspitze, doch ich hatte ja noch die Chance diesen Gipfel auf dem Rückweg zum Auto am Folgetag "mitzunehmen". Als erste schwierigere Stelle des Höhenwegs galt es eine lange Eisenleiter zu überwinden. Zum Teil war es schon recht abenteuerlich, wie sich so mancher "Bergsteiger" anstellte, der dort rauf bzw. runter kraxelte ... Wir absolvierten diese Stelle aber alle souverän und waren schon wenige Minuten später an der Mittleren Linderspitze angekommen. Die nächste richtig interessante Stelle war dann eine Passage, bei der es zwei wackelige Holzbretter, die über den Abgrund führten, zu überqueren galt. "Luftig, luftig" kann ich da nur sagen :-) Aber auch hier kamen wir alle gut drüber. Entweder man guckte nicht runter oder, wenn einen der Blick in die Tiefe doch reizte (so wie mich ...), hielt man sich sicherheitshalber am Drahtseil, das an der Felswand angebracht war, fest. Das war schon mal ein richtig gelungener Einstieg - ganz nach meinem Geschmack! Der weitere Verlauf des Höhenweges verlief ähnlich weiter. Es folgten zahlreiche Aufstiege und Abstiege im Wechsel, bei denen ich nach und nach meine Knochen von den Belastungen der Vortage merkte. Doch die immer wieder tollen Ausblicke Richtung Wettersteinwand oder auch zur anderen Seite auf die faszinierende Bergkulisse bei Innsbruck gaben mir immer wieder neue Kraft. Ich fand es einfach super dort oben auf der Höhe "rumzuturnen" und auch den vier Mädels machte es scheinbar richtig Spaß. Kurz vor dem steilen Aufstieg zur Sulzleklammspitze machte ich noch mal eine kurze Fotorast, während die anderen schon voraus gingen. Ein lustiges Schild hatte meine Aufmerksamkeit geweckt. Was es nicht alles gibt ...

Inzwischen hatte sich übrigens auch das Wetter auf unsere Seite geschlagen - das hob die Stimmung bei mir noch mehr. Bei Sonnenschein, blauem Himmel und Fernsicht machte diese Gratwanderung noch viel mehr Spaß! Nach ein paar Minuten schweißtreibenden Aufstiegs bot sich mir kurz unterhalb der Kirchl-Spitze erneut eine schöne Aussicht - dieses Mal ins idyllische Karwendeltal. Als ich dann endlich ganz oben war, traf ich auch die anderen wieder, die schon seit ein paar Minuten dort waren. Nun war endlich Brotzeit und Siesta machen angesagt. Vorher lief ich aber noch ein paar Schritte um ein Panoramabild zu schießen und auch noch von mir selbst einen netten Schnappschuß vor der Bergkulisse zu knipsen. Insgesamt verbrachten wir knapp eine Stunde dort oben und genossen das faule Leben. Wir plauderten über Gott und die Welt und ließen es uns einfach gut gehen! Und während wir entspannt in der Sonne saßen, bekamen wir auch schon bald Gesellschaft: Etliche fast handzahme Bergdohlen gesellten sich zu uns, da sie leichte Beute in Form von Brotkrumen oder Ähnlichem witterten. Das war schon ein nett anzuschauendes Spektakel, das diese Vögel da veranstalteten. Naja, irgendwann war es für uns dann auch Zeit weiter zu ziehen und so beendeten wir unser Picknick und packten unsere Sachen wieder zusammen. Bevor es weiter ging Richtung Tiroler Hütte, nutzte ich aber noch die Gelegenheit und machte ein nettes Gruppenfoto der 4 Mädels. Der nicht sonderlich schwierige Abstieg zur Hütte war schnell hinter uns gebracht, wobei es unterwegs erneut herrliche Tiefblicke in das uns zu Füßen liegende Karwendeltal zu bestaunen gab.

Die Tiroler Hütte war bei dem Wetter und zu der Tageszeit richtig gut besucht. Nur durch etwas Glück konnten wir noch ein paar Sitzplätze auf den Holzbänken davor ergattern. Dort ließen wir uns dann aber auch unsere Radler schmecken. Richtig erfrischend! In einem Gespräch mit dem Pächter der Hütte stellte sich zum einen heraus, dass man theoretisch mit Voranmeldung sogar in dieser kleinen Hütte hätte übernachten können. Innen drin sind zwar nur wenige Quadratmeter Platz, aber man kann mit Hilfe umklappbarer Bretter an den Wänden eine geschlossene Fläche erzeugen, auf die dann ein paar Matratzen gelegt werden. Wir stellten uns das alles sehr abenteuerlich vor und waren ein wenig enttäuscht, dass wir das vorher nicht gewußt hatten, sonst hätte man versuchen können, die Hütte eine Nacht zu reservieren. Zum anderen erfuhren wir aber, dass man von dort aus schon Schlafplätze auf der Brunnsteinhütte anmelden konnte. Dies taten wir dann auch und zum ersten Mal waren wir froh, dass zumindest 3 von uns im Alpenverein waren, denn die Brunnsteinhütte war bereits so voll, dass der Hüttenwirt schon einige Leute hatte fortschicken müssen, wie er erzählte. Er konnte uns jedoch 5 Schlafplätze zusichern, und so brachen wir nach wenigen Minuten erleichtert zum steilen Abstieg zur Brunnsteinhütte auf. Am Radler kann es eigentlich nicht gelegen haben, sondern meines Erachtens mehr an den schottrigen Steilserpentinen, dass ich mich doch ziemlich auf den Weg konzentrieren mußte, um nicht ungewollt weg zu rutschen. Zweimal war ich kurz davor, unsanft auf meinem Hintern zu landen, aber ich konnte mich gerade noch fangen ... So spät am Nachmittag war sicherlich die Konzentration auch nicht mehr die Beste. Nach etwa einer Stunde waren wir endlich an der Brunnsteinhütte, und wir waren alle froh, dass wir schon unsere Schlafplätze sicher hatten.

Hier herrschte ein reges Treiben und es dauerte erst mal ein paar Minuten, bis ich mich an diese Atmosphäre gewöhnt hatte. Das war schon ein ziemlicher Kontrast zu der Ruhe auf der Mittenwalder Hütte am Vortag ... Kaum, dass wir dann unsere Blockhütte hinter der eigentlichen Hütte bezogen hatten, die insgesamt 10 Schlafplätze bot, ließen wir uns auch schon auf der Sonnenterrasse nieder und tranken in der langsam hinter den Bergen verschwindenden Sonne noch ein Radler. Hmmm, das schmeckte erneut richtig lecker und war genau das, was man nach so einem Wandertag brauchte! Kann ich gar nicht anders sagen :-) Kurz vor dem Einzug in unsere Blockhütte hatten wir übrigens auch Wolfgang wieder getroffen, der grinsend auf der Sonnenterrasse stand! Er hatte seine Freundin unten im Tal getroffen, und sie waren dann schon am frühen Nachmittag zur Brunnsteinhütte gelangt. Wie sich heraus stellte, waren die beiden auch bei uns in der Blockhütte einquartiert. Nach dem Radler ging ich mich erst mal ein wenig frisch machen auf der Toilette. Eine Dusche gab es zwar nicht, und das Wasser würde ich auch nicht gerade als fließend bezeichnen, aber es war besser als nichts, so daß ich mir zumindest mal kurz das Gesicht abwaschen konnte. Den Rest erledigte ich mit etwas Deo :-) Als ich dann wieder draußen auf der Terrasse saß, wurden die Schatten schon länger und es war merklich abgekühlt, doch ich blieb noch ein paar Minuten sitzen und genoß die hereinbrechende Abenddämmerung. Ein nur schwer zu beschreibendes Gefühl, am Ende eines anstrengenden und erfüllten Tages in den Bergen abends dann einfach nur so da zu sitzen und all das Erlebte Revue passieren zu lassen, während man die letzten Sonnenstrahlen hinter den Berggipfeln verschwinden sieht ...

Der Abend in der Hütte war super. Der kleine Saal war richtig gut gefüllt und es herrschte eine echt urige Atmosphäre. Toll! Ich entschied mich wieder mal für Schinkennudeln zum Essen und während ich in aller Ruhe die Kalorien zurückgewann, unterhielt ich mich bestens mit Wolfgang und seiner Freundin bei einem weiteren Radler. Moni und die Mädels hatten inzwischen ihre eigene Gesprächsrunde begonnen, denn sie kannten sich ja schon länger und hatten sich einiges zu erzählen. Zwischendrin ging ich noch mal mit Wolfgang und seiner Freundin raus vor die Tür, da sie beide eine Zigarette rauchen wollten. Inzwischen war es eine sternklare Nacht geworden und der Anblick der umliegenden Berge und des strahlenden Himmelzelts über uns war einfach nur super. Als wir wieder drin waren, gesellte sich der mehr als nette Hüttenwirt noch zu uns an den Tisch und bei einem weiteren Radler für Wolfgang und mich klang der gesellige Abend gemütlich aus. Nicht nur durch eine Runde Obstler "auf Kosten des Hauses" für uns alle, sondern vor allem auch durch seine nette, herzliche Art war mir der Hüttenwirt sehr sympathisch. Ich ließ mir noch den Wetterbericht für den kommenden Tag mitteilen (gute Aussichten) und klärte dann mit ihm ab, dass ich am kommenden Morgen recht zeitig aufstehen wollte, da ich ja noch einen längeren Rückweg vor mir hatte. Schließlich ging ich als einer der letzten Gäste Richtung Schlafplatz. Kaum, dass die Zähne geputzt waren und ich mich hingelegt hatte, war ich auch schon auf dem Weg ins Traumland ...


Ende des Karwendelsteigs
Blick zur Bergstation der Karwendelbahn
Beeindruckende Leiter am Mittenwalder Höhenweg

Mittlere Linderspitze am Mittenwalder Höhenweg
Luftige Kletterpartie am Mittenwalder Höhenweg Fernblick vom Mittenwalder Höhenweg

Grenzwanderung auf dem Mittenwalder Höhenweg
Biken verboten auf dem Mittenwalder Höhenweg ... Blick zurück zur Nördlichen Linderspitze

Blick Richtung Karwendelgruppe Fernblick vom Mittenwalder Höhenweg Sonne tanken am Mittenwalder Höhenweg

Zutrauliche Bergdohle Vier nette Bergkameradinnen aus Süddeutschland

Das wunderschöne Karwendeltal von oben Sonnenuntergang an der Brunnsteinhütte


5. Tag: Brunnsteinhütte - Heinrich-Noe-Steig - Mittenwalder Höhenweg - Westl. Karwendelspitze - Dammkar - Bergwachthütte - Predigtstuhl - Am Bankle - Ochsenbodensteig - Mittenwald
Stats: 8:25 h (08.00 - 16.25) - +1310/-1920 hm



Da ich zeitig los wollte am letzten Tag, hatte ich mir den Wecker auf kurz vor 07.00 gestellt. Um die anderen nicht zu stören, zog ich mich im Dunkeln an und begab mich dann im Halbschlaf zum Frühstück. Nachdem ich mich dort gestärkt und bezahlt hatte, ging ich zurück zur Blockhütte und packte meinen Rucksack fertig. Inzwischen waren auch schon ein paar der anderen wach geworden, und so konnte ich mich noch verabschieden. Für alle anderen hieß es heute ins Tal abzusteigen, während ich ja noch mal bis zur Westlichen Karwendelspitze hinauf wollte und dann durchs Dammkar und mit Abstecher über den Predigtstuhl zurück zum Auto in Mittenwald wollte. Bei noch kühlen morgendlichen Temperaturen brach ich dann um 8.00 zum Heinrich-Noe-Steig auf, doch da es gleich zu Beginn heftig bergan ging, wurde der Pulli schnell im Rucksack verstaut. Der Steig war insgesamt nicht sonderlich schwierig zu begehen, so dass ich um so mehr die tolle Aussicht auf die vor mir emporragende Felswand genießen konnte. Dort oben drauf bzw. hinten dran verlief der Mittenwalder Höhenweg, auf den ich wenig später wieder stoßen wollte. Bevor ich aber an die Wegkreuzung kam, lag noch unverhofft ein kleines Schneefeld vor mir, dass überwunden werden wollte. Kaum, dass ich wieder trockenen Boden unter den Füßen hatte, stand auch schon die erste kleine Verschnaufpause auf dem Plan, und ich genehmigte mir zwei Corny als Zwischenmahlzeit.

Nach wenigen Minuten war ich schließlich wieder auf dem Mittenwalder Höhenweg, dem ich nun in Richtung Westliche Karwendelspitze folgte. Die interessanten Passagen des Weges kannte ich nun ja alle schon vom Vortag, aber gerade der Balanceakt über die Holzbretter war wieder ein echtes Highlight. Bei dieser Passage hatte ich noch keinen Gegenverkehr, aber schon kurz darauf kamen mir immer mehr Leute entgegen, die von der Gipfelstation der Karwendelbahn losmarschiert waren. Aus diesem Grunde entschied ich mich nahe der Südlichen Linderspitze den östlich gelegenen Weg zur Bergstation zu wählen, denn dieser schien mir nicht ganz so übervölkert zu sein. Und tatsächlich hatte ich Glück. Auf dem Plateau bei der Bergstation genoß ich abermals die sagenhafte Fernsicht Richtung Österreich, bevor ich mich dann an den Aufstieg zur Westlichen Karwendelspitze machte. Vorher war aber noch ein Corny fällig :-) Der Aufstieg war trotz ein paar kleinerer Schneefelder bestens machbar, solange man mit seinen nassen Schuhsohlen auf den Felsen danach etwas vorsichtiger war. Oben angekommen empfing mich zunächst ein kühler Wind, der direkt über den Grat pfiff. Folglich streifte ich mir für die paar Minuten am Gipfel meinen Pulli über.

Sonderlich beeindruckend fand ich den Gipfel ehrlich gesagt nicht, aber zumindest hatte ich nette Gesellschaft dort oben: Ich kam mit einem Bergkameraden ins Gespräch, der auch alleine unterwegs war und der mich nach meiner Einschätzung des Mittenwalder Höhenwegs fragte. So fachsimpelten wir bestimmt 20 Minuten über allerlei "Bergsteigerisches", wobei wir jeweils noch ein wenig Essen und Trinken zu uns nahmen. Ich erfuhr bei dem Gespräch, wo genau mein weiterer Weg verlief. Ein direkter Abstieg von der Westlichen Karwendelspitze ins Dammkar war nämlich nicht möglich, so wie ich das anfangs gedacht hatte und wie es auf der Kompass-Karte den Anschein hatte ... Nach diesem netten Plausch trennten sich dann unsere Wege und ich begab mich auf den Weg ins Dammkar, in dem ich einem markierten Weg folgte, der in diese Richtung ging. Eigentlich wollte ich durch den Skitunnel durch, der in der Nähe der Bergstation der Karwendelbahn in den Berg abzweigte, aber nun hatte ich diesen Weg eingeschlagen. Leider war die Markierung alles andere als durchgehend und der Bergpfad war auch nicht wirklich gut zu begehen, so dass ich froh war, als ich auf die Dammkar-Skipiste traf. Die Skipiste kannte ich noch von Anfang der 90er Jahre, wo ich mal im Winterurlaub dort war. Jetzt lagen nur ganz wenige Schneereste, und so folgte ich dem jetzt wieder gut markierten Weg ins Tal Richtung Dammkarhütte.

Der Abstieg erforderte volle Konzentration, denn es ging fast nur über loses Geröll und rutschigen Schutt, so dass ich gerade bei den steilen Passagen häufig ins Straucheln kam und mehrfach kurz davor war unsanft auf meinem Hintern zu landen. Als es endlich wieder flacher wurde, war ich doch sehr erleichtert. Ich hielt kurz inne und knipste ein nettes Foto durchs Dammkar Richtung Predigtstuhl. Nach wenigen Minuten war ich schließlich an der Abzweigung, von der aus es zum Predigtstuhl geht. Direkt neben der Bergwachthütte ließ ich mich im Schatten nieder und aß ein Brot und einen Landjäger. Und - nicht zu vergessen - ein Corny :-) Als ich gesättigt war und gerade wieder aufgestanden war, traf ich mal wieder einen Gesprächspartner bzw. genauer gesagt eine Gesprächspartnerin. Sie fragte mich, wie denn der Weiterweg durchs Dammkar noch oben zur Bergstation sei und wie lange dies in etwa dauern würde. Wir plauderten ein paar Minuten und dabei stellte sich heraus, dass sie ursprünglich aus Mainz kommt, also gar nicht so weit von meinem Wohnort daheim entfernt. Sie war jedoch vor kurzem nach Mittenwald umgezogen und arbeitete nun dort. Und am Wochenende sei sie eben öfter mal im Gebirge unterwegs, wie sie mir sagte. Außerdem erfuhr ich, dass der Weg zum Predigtstuhl ähnlich wie der Weg durchs Dammkar, den ich gerade runter gekommen war, fast ausschließlich über diesen rutschigen Schotter gehen würde ... Aber das war mir nun auch egal, ich hatte ja eine kleine Pause gemacht und nach dem Predigtstuhl würde es fast nur noch am Stück ins Tal gehen.

Nach dieser netten Begegnung machte ich mich also daran den letzten Gipfel dieser Hüttentour zu erklimmen, während sie den mühsamen Aufstieg durchs Dammkar begann. Bis ich oben war, waren knapp 200 hm zu bewältigen, aber der tiefe Schotter tat sein Übriges dazu, dass es noch mal richtig anstrengend wurde ... Am Gipfel traf ich erneut zwei nette Leute, diesmal zwei ältere Damen, die dort rauf gestiegen waren, um die schöne Aussicht und die beruhigende Atmosphäre zu genießen. Wir kamen ein bißchen ins Reden und beobachteten dabei fasziniert ein paar Bergdohlen, die um uns herum flogen bzw. hüpften. Nachdem ich noch die Inschrift am Gipfelkreuz studiert hatte, verabschiedeten wir uns, und ich machte mich schnellen Schrittes an den Abstieg "hinten runter". Langsam aber sicher schien das Wetter zu kippen und dunkle Wolken zogen am Himmel entlang ... Der Abstieg war insgesamt betrachtet einer der schwierigsten dieser Woche. Sehr steil und mitten durch eine Felsrinne zog sich der Weg dahin, und mehr als einmal wünschte ich mir, ich wäre schon unten im Tal. Doch bevor ich wieder in einfacheres Gelände kam, hieß es noch mal alle Reserven zu mobilisieren: Ein heftiges Steilstück forderte mir mit meinem Rucksack alles ab, denn aufrecht zu gehen war hier so gut wie nicht möglich. Vielmehr artete das ganze in eine mittelgroße Kraxelei aus, bei der ich immer bemüht war, die Ideallinie zu finden und dann durch Abstützen bzw. Festhalten mit den Händen heil runter zu kommen. Diese Passage hätte ich mir gerne gespart, aber es gab leider keinerlei Alternativen ...

Irgendwie schaffte ich es, und als ich endlich auf den Weg, der zur Hochlandhütte führt, stoß, war ich überglücklich es gepackt zu haben. Das war zum Ende noch mal ein hartes Stück Arbeit gewesen! Der restliche Wegverlauf war nach dieser Kraxel-Passage wirklich ohne Probleme zu absolvieren. Es ging ganz entspannt auf einem Wald- und Wiesenpfad bis "Am Bankle" und dann weiter über den Ochsenbodensteig. Dass hier leider noch mal ein paar Höhenmeter auf mich zu kamen, war dann auch nebensächlich. Das Auto war ja nicht mehr weit ... Inzwischen hatte ich wieder das Tempo gesteigert, da ich nur ungern in das drohende Unwetter geraten wollte, das sich da über mir zusammen zu brauen schien. Ich nahm also sinnbildlich gesprochen die Beine in die Hand und marschierte, so schnell es noch ging nach den Anstrengungen der letzten Tage, den Pfad ins Tal. Ziemlich erschöpft kam ich dann kurz vor halb fünf am Parkplatz an, wo ich mein Auto abgestellt hatte. Und ohne zu übertreiben: Ich saß noch keine zwei Minuten im Auto, da fing auch schon der Platzregen an und prasselte von oben herunter. Gut, dass ich mich trotz aller Erschöpfung noch so beeilt hatte, sonst wäre ich noch richtig naß geworden ... Die Heimfahrt gestaltete sich leider noch etwas nervenaufreibend, da unzählige Wochenend-Urlauber wieder in Richtung München zurück wollten und so schon kurz nach Mittenwald der Stau anfing, doch was soll's: Ich saß im Trockenen, konnte nette Musik hören und langsam damit beginnen, die tollen, vergangenen Tage Revue passieren zu lassen.


Schneefeld am Heinrich-Noe-Steig
Schwindelfrei?!?
Dammkar mit Blick Richtung Predigtstuhl

Denkmal am Predigtstuhl
Rutschiger Felsabstieg vom Predigtstuhl


Bilanz: etwa +7500 hm in 5 Tagen (03.10. - 07.10.2001) absolviert
Stats: pro Tag durchschnittlich etwa +1500 hm
Als Fazit von dieser Tour bleibt auf jeden Fall festzuhalten, dass es auch alleine kein Problem sein muß eine wunderschöne Hüttentour zu machen. Es war schon super, all die netten Leute in den wenigen Tagen kennengelernt zu haben und mit ihnen ins Gespräch gekommen zu sein. Und gerade die Hüttenabende auf der Mittenwalder Hütte und auf der Brunnsteinhütte in netter Gesellschaft werden mir sicherlich noch lange in bester Erinnerung bleiben! Die Region, in der ich unterwegs war, ist landschaftlich einfach toll gewesen, so dass ich mir gut vorstellen kann, bei nächster Gelegenheit noch mal eine Hüttentour in der Gegend zu machen. Dann würde mich auf jeden Fall der komplette Höllentalsteig bis zum Zugspitzgipfel reizen mit anschließendem Kraxeln über den Jubiläumsgrat und am Ende einem Abstecher zur Partenkirchner Dreitorpitze. Träumen darf man ja noch ... Und vielleicht klappt's ja eines Tages tatsächlich mit dieser Tour!